Schwarze Rhetorik (oder im Klartext: Psychische Manipulation)

Rhetorik bezeichnet erstmal die Redegewandtheit, dass man sich gut gegenüber anderen ausdrücken kann, dass man selbstsicher und überzeugend auftritt. Rhetorik ist insofern erstmal was Gutes, denn es soll einem z.B. Sicherheit während eines Vortrages geben, dass man vor versammelter Mannschaft selbstsicher reden kann und auch die Gesten sicher rüberkommen.

Gerne wird auch versucht, die Schwarze Rhetorik in diesem Kontext in das positive Licht zu rücken. Denn Dank der Schwarzen Rhetorik kann man z.B. Kunden besser von einem Produkt (was der Kunde vielleicht gar nicht haben will) überzeugen. Die Schwarze Rhetorik bei der Kundenakquise bzw. bei der Werbung einzusetzen, macht vielleicht noch irgendwo Sinn, aber sobald sich das auf andere Bereiche, und insbesondere den privaten Bereich erstreckt, ist diese Schwarze Rhetorik aus meiner Sicht oftmals nur noch im negativen Licht zu sehen: Leute sollen gegen ihren Willen zu irgendetwas bewegt werden, obwohl es hier an guten und sachlichen / logischen Argumenten mangelt, ansonsten hätte man diese (Weiße Rhetorik) ja anweden können. Hinterfragt man die Argumente der Schwarzen Rhetorik, dann befindet sich meist nichts dahinter, außer heiße Luft. Schwarze Rhetorik kann ein sehr mächtiges Werkzeug sein, wenn man es richtig einsetzt. Sie kann aber auch sehr vieles kaputt machen, z.B. wenn es für den psychischen Missbrauch von Mitmenschen eingesetzt wird.

Was ist nun eigentlich Schwarze Rhetorik? Ich denke, diese Videos erklären es ganz gut:

Wie kann man schon gegen Schwarze Rhetorik wehren?

Die Videos zeigen vorab schon zwei gute Mittel, wie man sich gegen Manipulationen schützen kann: Wenn man die Manipulationstechniken kennt, kann man sich dagegen wehren. Und wenn man die Manipulationstechnik erkannt hat, diese gerne beim Namen nennen und stattdessen um überzeugende sachliche / logische Argumente (Weiße Rhetorik) bitten.
Das ist erstmal nicht so einfach, bei der Schwarzen Rhetorik wird man oft emotional angegriffen, und es ist dieser Überraschungsmoment, der einem dann aus dem Gleichgewicht bringt. Gegebenenfalls benötigt es Bedenkzeit, bevor man kontern kann. Vielleicht besteht ja auch die Möglichkeit, das Kontern auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen.

Die folgende Tabelle mag zeigen, an welchen Stellen man möglicherweise wie kontern kann (ohne Gewähr):

Manipulationsargument Typ Manipulationszweck Richtiger Konter
Alle anderen machen das ja auch so. / Du bist der einzige, der das anders macht. Scheinargument / Persönlicher Angriff Gewissensbisse, man gibt nach. Der Manipulator hat gewonnen. Gegenfrage: Frage nach den "anderen". Wenn Namen genannt werden, dann anbieten, dass man sich bei denen auch nochmal die Meinung einholt.
Aufgrund von (Scheinargumente) müssen wir uns jetzt zusammensetzen und (unter Zeitdruck) das jetzt machen. Scheinargument Man macht, was der andere will. Der Manipulator hat gewonnen. Scheinargumente hinterfragen, um Bedenkzeit bitten, ggf. von anderen deren Meinung dazu einholen und später (zeitnah) nochmal auf dieses Thema zurückkommen.
Nach einigen sachlichen / logischen Argumenten wird "Du hast ja gar keine Ahnung" in den Raum geworfen. Persönlicher Angriff Man reagiert beleidigt, es findet keine sachliche Argumentation statt. Der Manipulator hat gewonnen. Gegenfrage: Ok, ich bin immer offen für Diskussionen, wie sieht denn Deine fachliche Meinung dazu aus? (jetzt müssen sachliche / logische Argumente folgen)
Ich habe schon so viele Dinge (alles in der Vergangenheit) für Dich getan, warum kannst Du mir jetzt bei dieser Kleinigkeit jetzt nicht helfen? Persönlicher Angriff Gewissensbisse, man macht, was der andere will. Der Manipulator hat gewonnen. Wenn das so einem Kind gesagt wird, dann kann das als Argument wohl kaum gelten, denn Eltern sind verpflichtet, für ihre Kinder zu sorgen. Unter Erwachsenen könnte man versuchen, aufzuzählen, was man selbst achon alles gemacht hat. Ansonsten auch mal etwas egositisch sein: Wer etwas freiwillig für jemanden tut, darf nicht ständig eine Gegenleistung erwarten. Man beschenkt Leute freiwillig und nicht, um eine Gegenleistung damit zu "erkaufen".
Wenn Du das jetzt nicht machst, dann muss ich das eben jetzt machen. Persönlicher Angriff Gewissensbisse, man gibt nach. Der Manipulator hat gewonnen. Gegenfrage: Hat das nicht Zeit? Was wird passieren, wenn das jetzt nicht gemacht wird? Diese Argumente, welche Scheinargumente sein können, hinterfragen. (jetzt müssen sachliche / logische Argumente folgen)
Sag mal, Du hast doch Ahnung... Kannst Du mir mal bitte einen kleinen Gefallen tun? Manipulation Man macht, was der andere will. Der Manipulator hat gewonnen. Wenn es nur ein kleiner Gefalle ist, dann gegebenenfalls(!) Ja. Nehmen die Fragen nach Gefallen zu, dann mit Nein antworten, auch wenn es zunächst schwer fällt. Später wird man sich langfristig aber ganz sicher besser fühlen.
Das hatte ich so nicht gesagt, das bildest Du Dir nur ein. Manipulation / Gaslighting Man zweifelt an sich selbst, die Zweifel werden zunehmen, je öfter das passiert. Der Manipulator hat gewonnen. Sollte diese Situation mehrfach auftreten, dann alles im Beisein von allen Beteiligten revisionssicher / manipulationssicher niederschreiben (revisionssichere / manipiulationssichere Werkzeuge wie ein Wiki wie MediaWiki oder Confluence sind Dein Freund). Ansonsten ist es immer gut, unabhängige Zeugen dabei zu haben.

Die Tabelle wird ggf. noch erweitert.

Wie man sieht, bin ich kein Freund von Manipulationen. Mit sachlichen / logischen Argumenten (die sogenannte Weiße Rhetorik) kommt man heute bei mir wesentlich weiter. Im Umkehrschluss bin ich deswegen auch als Verkäufer vollkommen ungeeignet. Leider hatte ich in der Vergangenheit bevorzugt verärgert auf Manipulationsversuche reagiert, was aber durchaus vom Manipulierer missverstanden werden konnte, weil das eine emotionale Reaktion ist, die dem Manipulierer möglicherweise sogar zugute kommt. Wenn ich heute merke, dass ich von einer Person manipuliert werde, dann versuche ich, den Kontakt zukünftig auf das Notwendigste zu beschränken, aus Selbstschutz. Ich fand auch den Vorschlag, die Manipulationstechnik sofort beim Namen zu nennen, sehr gut.

Schwarze Rhetorik kann auch für psychischen Missbrauch verwendet werden: